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Wenn die nächste Generation das Ruder übernimmt und alles digitalisieren will

Bis 2026 stehen in Deutschland rund 190.000 Familienunternehmen vor einem Generationswechsel – die größte Übergabewelle seit Jahrzehnten. Die nachfolgende Generation fordert radikale Digitalisierung mit KI, Cloud-Lösungen und datengetriebenen Geschäftsmodellen, während Gründer auf Tradition und bewährte Prozesse setzen. Erfolgreiche Übergänge kombinieren frühzeitige Planung, partizipative Ansätze und klare Kommunikation zwischen den Generatione
  • Bis 2026 stehen in Deutschland rund 190.000 Familienunternehmen vor einem Generationswechsel – die größte Übergabewelle seit Jahrzehnten.
  • Die nachfolgende Generation fordert radikale Digitalisierung mit KI, Cloud-Lösungen und datengetriebenen Geschäftsmodellen, während Gründer auf Tradition und bewährte Prozesse setzen.
  • Erfolgreiche Übergänge kombinieren frühzeitige Planung, partizipative Ansätze und klare Kommunikation zwischen den Generationen.

Der Wandel kommt nicht schleichend, er steht bereits vor der Tür. Wenn Söhne und Töchter das Ruder übernehmen, prallen zwei Welten aufeinander: die analoge Erfahrung der Gründer und die digitale Vision der Nachfolger. Dieser Konflikt prägt 2026 Zehntausende Familienunternehmen in Deutschland und entscheidet über deren Zukunftsfähigkeit. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, sichert nicht nur den Fortbestand, sondern erschließt neue Märkte.

Die größte Übergabewelle seit einer Generation

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn prognostiziert für den Zeitraum 2022 bis 2026 exakt 190.000 Nachfolgen in Familienunternehmen. Fast 40.000 davon entfallen auf Bayern, 35.000 auf Baden-Württemberg. Die KfW geht in einer breiteren Schätzung sogar von 560.000 Nachfolgen im gesamten Mittelstand aus, wovon ein Großteil Familienunternehmen betrifft.

Doch die schiere Menge ist nur ein Teil der Herausforderung. Die Statistik zeigt ein ernüchterndes Bild: Nur 50 Prozent der Familienunternehmen erreichen die zweite Generation, 32 Prozent die dritte und gerade einmal 16 Prozent die vierte. Die Hauptgründe liegen in ungenügender Planung und der Unfähigkeit, sich an den wirtschaftlichen Wandel anzupassen. Genau hier setzt die neue Generation an – mit Digitalisierungsplänen, die etablierte Strukturen grundlegend infrage stellen.

Wenn Tradition auf digitale Disruption trifft

Die junge Generation kommt mit klaren Vorstellungen: KI-gestützte Entscheidungsprozesse statt Bauchgefühl, Cloud-Lösungen statt lokaler Server, datengetriebene Geschäftsmodelle statt Erfahrungswissen. Sie fordern die schnelle Anpassung an Plattformökonomien, Automatisierung von Routineprozessen und den Einsatz von Low-Code- und No-Code-Plattformen für agile Entwicklung.

Für Gründer, die ihr Unternehmen über Jahrzehnte mit bewährten Methoden aufgebaut haben, wirkt diese Radikalität bedrohlich. Sie sehen die Gefahr, dass die Unternehmenskultur und persönliche Kundenbeziehungen verloren gehen. Die Nachfolger hingegen argumentieren mit Marktdynamik und Wettbewerbsfähigkeit: Wer jetzt nicht digitalisiert, verliert den Anschluss.

Eine Umfrage der Stiftung Familienunternehmen zeigt die Ambivalenz: 53 Prozent der Next-Gen sehen die interne Familiennachfolge als wahrscheinlichste Option, aber 45 Prozent ziehen einen Verkauf an Externe in Betracht. Die Verkaufsbereitschaft ist auf 23,2 Prozent gestiegen – ein deutliches Signal, dass die junge Generation nicht um jeden Preis an traditionellen Strukturen festhalten will.

Erfolgreiche Beispiele zeigen den Weg

Die Laurens Spethmann Holding macht vor, wie ein strukturierter Übergang gelingt. Ab Januar 2026 übernimmt die vierte Generation – Sara, Henry, Laurens sowie Frederike, Anna und Lasse Spethmann – von ihren Vätern Jochen und Michael. Nach 118 Jahren Firmentradition ist das kein Automatismus, sondern das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung. Die Nachfolger sammelten seit 2018 operative Erfahrung in der Tochtergesellschaft Ostfriesische Tee Gesellschaft. „Mit der Übertragung sichern wir das Fortbestehen als unabhängiges Familienunternehmen“, so Michael Spethmann.

Bei der Paggen Werkzeugtechnik GmbH trieb Sandra Paggen-Breu die Digitalisierung konsequent voran. Das Unternehmen implementierte bereits 1990 ein ERP-System, 1998 folgte die Website, 2003 ein Onlineshop. 2015 erneuerte man das gesamte ERP-System und setzte auf Cloud-Lösungen. „Wir waren schon immer digital gut aufgestellt“, erklärt Paggen-Breu. Dieser schrittweise Ansatz vermied Brüche und nahm die Belegschaft mit.

Die MUNK Group entwickelte innerhalb von zehn Wochen eine IT-Strategie für 2026, die dezentrale Prozesse über mehrere Standorte hinweg harmonisiert. Der Fokus lag auf der Integration bestehender Systeme statt auf einem radikalen Neuanfang – ein Kompromiss zwischen Innovation und Stabilität.

Strategien für den konfliktfreien Übergang

Frühe Planung ist das Fundament. Eine gründliche Bestandsaufnahme zeigt, welche Prozesse digitalisierungsbedürftig sind und wo traditionelle Stärken liegen. Klare Kommunikation zwischen den Generationen verhindert Missverständnisse: Welche Werte sollen erhalten bleiben? Welche Veränderungen sind unausweichlich?

Ein schrittweiser Übergang gibt beiden Seiten Sicherheit. Geteilte Führungsmodelle ermöglichen es Gründern, ihr Wissen weiterzugeben, während Nachfolger neue Impulse setzen. Die Einbindung von Mitarbeitern ist entscheidend – sie sind die Brücke zwischen Alt und Neu und tragen die Transformation mit.

Partizipative Ansätze funktionieren besser als Top-down-Entscheidungen. Wenn die neue Generation Digitalisierungsprojekte gemeinsam mit erfahrenen Mitarbeitern entwickelt, entstehen praxistaugliche Lösungen. Schulungen bereiten alle Beteiligten auf neue Technologien vor und reduzieren Widerstände.

Die Führungskultur muss sich wandeln

Leadership 2026 bedeutet nicht mehr, alles zu wissen, sondern lernfähig zu bleiben. KI-Agenten verändern Entscheidungsprozesse grundlegend – Führungskräfte müssen verstehen, wann sie Algorithmen vertrauen können und wann menschliche Intuition gefragt ist. Die Haltung wird zum Schlüsselfaktor: Offenheit für Neues bei gleichzeitiger Wertschätzung für Bewährtes.

Die junge Generation bringt andere Erwartungen mit: Sie will Workload teilen statt Einzelkämpfer sein, plant kürzere Verweildauer unter 20 Jahren und sammelt bewusst externe Erfahrungen vor der Übernahme. Diese Flexibilität steht im Kontrast zur lebenslangen Unternehmerbindung vieler Gründer. Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung – der Austausch darüber schafft Verständnis.

Digitalisierungstrends, die 2026 prägen

KI durchdringt operative Entscheidungen in immer mehr Bereichen. Von der Lagerhaltung über Kundenkommunikation bis zur Produktentwicklung – maschinelles Lernen optimiert Prozesse und erschließt Effizienzpotenziale. Familienunternehmen profitieren dabei von ihrer Nischenspezialisierung: Maßgeschneiderte KI-Lösungen für spezifische Anwendungen funktionieren oft besser als Standardsoftware.

Konnektivität vernetzt Menschen, Maschinen und Daten in Echtzeit. Produktionsanlagen kommunizieren mit Lieferketten, Vertriebsteams greifen mobil auf aktuelle Kundeninformationen zu. Diese Transparenz ermöglicht schnellere Reaktionen und bessere Entscheidungen.

Mass Customization verbindet industrielle Skalierung mit individueller Anpassung. Digitale Plattformen erlauben es Kunden, Produkte nach ihren Wünschen zu konfigurieren, während automatisierte Fertigung die Kosten niedrig hält. Für Familienunternehmen mit traditionellem Handwerk eröffnet das neue Märkte.

Steuerliche Gestaltung nicht vergessen

Neben operativen Fragen spielt die steuerliche Struktur eine zentrale Rolle. Nießbrauchsmodelle ermöglichen es Gründern, Vermögen zu übertragen und dennoch Erträge zu beziehen. Stiftungslösungen können Steuerlast reduzieren und gleichzeitig Unternehmenskontinuität sichern. Frühzeitige Beratung verhindert, dass steuerliche Aspekte zum Stolperstein werden.

Was die Zukunft bringt

Die Transformation des Mittelstands wird 2026 an Tempo gewinnen. E-Rechnungen werden zum Standard, Nachhaltigkeitsanforderungen steigen, Resilienz gegenüber Krisen wird zur Pflicht. Familienunternehmen, die jetzt den Generationswechsel aktiv gestalten, positionieren sich für diese Herausforderungen.

Die Kombination aus traditionellen Stärken und digitaler Innovation schafft Wettbewerbsvorteile. Persönliche Kundenbeziehungen bleiben wertvoll – ergänzt durch digitale Touchpoints. Qualitätsfokus und Handwerkskunst gewinnen an Bedeutung – unterstützt durch datengetriebene Optimierung. Langfristige Perspektiven prägen Entscheidungen – beschleunigt durch agile Methoden.

Der Generationswechsel ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Wenn Gründer und Nachfolger gemeinsam eine Vision entwickeln, die Tradition und Innovation verbindet, entstehen zukunftsfähige Unternehmen. Die 190.000 anstehenden Nachfolgen bis 2026 sind nicht nur Übergaben – sie sind Neuanfänge mit dem Potenzial, den deutschen Mittelstand zu stärken.

jungwirth-nachfolgeberatung.de – Das Mehrgenerationen-Familienunternehmen: Wie lässt sich der Nachwuchs für die Nachfolge motivieren?

zukunftszentrum-sued.de – Paggen Werkzeugtechnik GmbH im digitalen Wandel

ecovis.com – Unternehmensnachfolge: So gelingt der Generationenwechsel

zu.de – Deutschlands nächste Unternehmergeneration (Stiftung Familienunternehmen)

unitedinterim.com – Zukunftsfähig bleiben: Die 3 größten Herausforderungen für Familienunternehmen

blog.fette-beute.com – Trends der Digitalisierung: Strategien für Familienunternehmen

dup-magazin.de – Führung 2026: Warum lernfähige Leader KI besser nutzen

rundschau.de – Generationswechsel bei der LSH

mesakumo.com – IT-Strategie 2026 für Familienunternehmen MUNK Group

der-betrieb.de – Unternehmensnachfolge: Frühzeitige und vorausschauende Planung ist das Fundament für den erfolgreichen Generationenwechsel

handelsblatt.com – Unternehmen: Nießbrauch oder Stiftung? Steuern sparen bei der Nachfolge

ifm-bonn.org – Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030

abcfinance.de – 2026 im Mittelstand: Änderungen für Unternehmen

passion4it.de – Was 2026 für dich und dein Unternehmen entscheidend wird

About the author

Bild von Nico Wirtz

Nico Wirtz

Der gelernte TV-Journalist hat Nachrichten und Dokumentationen gemacht, ebenso wie Talk und Entertainment für ProSieben, Kabeleins und TELE5 - am Ende ist es immer die gute Geschichte, die zählt. Emotionales Storytelling zieht sich durch sein ganzes Leben - ob als Journalist, PR- und Kommunikations-Profi, der für große Marken, wie BOGNER, L'Oréal oder Panthene an Kampagnen mitgewirkt hat, oder hier bei MARES als Chefredakteur.
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