Vom Blitzlieferdienst zur Langlebigkeitsforschung – Kagan Sümer vollzieht einen der faszinierendsten Pivots der Startup-Welt. Der Mann, der mit Gorillas die europäische Quick-Commerce-Szene zündete, arbeitet jetzt im Verborgenen an seiner nächsten großen Vision. Mit Mirror Labs, der App Sugar und dem kürzlich übernommenen Longevity-Unternehmen L-Complex positioniert sich Sümer an der Schnittstelle zwischen Technologie und Biotechnologie. Was treibt den Serienunternehmer heute an? Und welche Disruption plant er als nächstes?
Der Mann hinter dem Gorillas-Phänomen – eine unternehmerische Neuerfindung
Kagan Sümer hat die DNA eines echten Disruptors. Als Gründer von Gorillas katapultierte er das Konzept der 10-Minuten-Lieferung in die Massentauglichkeit und baute innerhalb kürzester Zeit eines der am schnellsten wachsenden Unicorns Europas auf. Doch nach der Übernahme durch Getir Ende 2022 verschwand Sümer zunächst von der Bildfläche – nur um jetzt mit völlig neuen Ambitionen zurückzukehren.
„Viel wurde über diesen Deal geschrieben, über Gewinner und Verlierer. Aber ich fühle mich weder als das eine, noch das andere“, erklärte Sümer zwei Wochen nach dem der Getir-Deal über die Bühne gegangen war. Eine Einstellung, die seinen aktuellen Weg perfekt beschreibt. Statt an der nächsten Iteration von Quick-Commerce zu arbeiten, vollzieht er einen radikalen Pivot in einen der zukunftsträchtigsten Märkte überhaupt: Longevity – die Wissenschaft der Langlebigkeit und des gesunden Alterns.
Mirror Labs – das Innovationslabor für die nächste Disruption
Mit Mirror Labs hat Sümer eine Plattform geschaffen, die als Inkubator für seine Zukunftsprojekte dient. Das Unternehmen verbindet fortschrittliche Technologien wie KI und Datenanalyse mit Echtzeit-Erkenntnissen zum Verbraucherverhalten – eine Kombination, die Sümer bereits bei Gorillas meisterhaft einsetzte.
Sugar App – die süße Verführung im App Store
Die Sugar App bildet die sichtbare Spitze von Sümers neuem Ökosystem. Bereits im App Store verfügbar, ist sie ein soziales Fitness-Netzwerk, das im Januar 2025 offiziell gelauncht wurde. Die Plattform wurde gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Uğur Samut entwickelt. Sie ermöglicht es Nutzern, zu verfolgen, was ihre Freunde gerade machen – ob sie joggen, spazieren gehen oder zum Dinner verabredet sind. Eine interaktive Karte zeigt Aktivitäten in der Umgebung sowie Empfehlungen für Fitness-Spots, Cafés und Bars.
Die App richtet sich primär an technikaffine Stadtbewohner – eine Zielgruppe, die Sümer aus seiner Gorillas-Zeit bestens kennt. Sümer erklärt in einem LinkedIn-Video, dass er mit Sugar „ein riesiges soziales Netzwerk schaffen“ will – einen Ort, an dem Menschen sich vernetzen und gemeinsam aktiv sein können.
Besonders interessant: Während viele Gründer nach einem Exit komplett neue Wege einschlagen, nutzt Sümer gezielt die bei Gorillas gewonnenen Erkenntnisse über urbane Konsumenten und deren digitales Verhalten – transferiert diese jedoch in einen völlig neuen Markt.
L-Complex – der Schlüssel zum längeren Leben?
Der vielleicht faszinierendste Teil von Sümers neuem Unternehmensportfolio ist L-Complex – ein im Sommer 2024 von Laura Jacobi übernommenes Startup im Bereich Longevity. Das Unternehmen operiert bewusst im „Stealth Mode“, was bedeutet, dass strategische Details und Produktpläne unter Verschluss bleiben, um Wettbewerbsvorteile zu wahren.
Was wir wissen: L-Complex ist ein Nahrungsergänzungs-Startup, das Nahrungsergänzungsmittel produziert und vertreibt. Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf personalisierte Langlebigkeitslösungen, die fortschrittliche Diagnostik mit maßgeschneiderten Interventionstherapien kombinieren – darunter Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel, digitale Gesundheitsüberwachung und individuelle Wellness-Regime.
Besonders spannend ist Sümers Positionierung an der Schnittstelle zwischen Verbrauchertechnologie und aufkommenden Biotech-Trends. Diese Kombination könnte disruptives Potenzial entfalten, ähnlich wie seine Neuinterpretation der Lebensmittellieferung bei Gorillas.
Der Stealth-Modus: Warum Sümer im Verborgenen arbeitet
Warum hält sich einer der profiliertesten Unternehmer Europas plötzlich so bedeckt? Der Stealth-Modus ist eine bewusste Strategie, die mehrere Vorteile bietet. Zum einen schützt sie innovative Konzepte vor vorzeitiger Nachahmung. Zum anderen ermöglicht sie agile Entwicklungsprozesse ohne den Druck der öffentlichen Erwartungshaltung.
Für Sümer, der die intensive mediale Beobachtung während der Gorillas-Hochphase erlebte, bedeutet diese Arbeitsweise auch eine willkommene Fokussierung auf das Produkt statt auf PR. „Die größten Durchbrüche entstehen oft im Verborgenen, bevor sie die Welt verändern“, lautet ein bekanntes Silicon-Valley-Mantra – und Sümer scheint diesem zu folgen.
Experten der Branche vermuten, dass hinter dem Stealth-Modus auch eine bewusste Neupositionierung steht. Während Gorillas für blitzschnelles Wachstum und aggressive Expansion stand, deutet Sümers aktueller Ansatz auf nachhaltigere Geschäftsmodelle und langfristigere Visionen hin.
Von Quick Commerce zu Longevity: Der unerwartete Pivot
Auf den ersten Blick erscheint der Sprung von Lebensmittellieferungen zur Langlebigkeitsforschung überraschend. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich faszinierende Parallelen: Beide Bereiche adressieren grundlegende menschliche Bedürfnisse und bieten enormes Disruptionspotenzial.
Der globale Longevity-Markt wächst exponentiell und wird bis 2030 auf zwischen 44 und 314 Milliarden Dollar geschätzt, je nach Marktsegment-Definition. Gleichzeitig ist er noch nicht von Tech-Giganten dominiert – eine perfekte Gelegenheit für visionäre Entrepreneure wie Sümer, früh Marktanteile zu sichern.
Sümer bringt zudem wertvolle Erfahrungen mit: Bei Gorillas bewies er sein Talent, komplexe logistische Herausforderungen durch Technologie zu lösen und Nutzerbedürfnisse in intuitive digitale Produkte zu übersetzen. Diese Fähigkeiten sind im Longevity-Sektor, der zunehmend datengetrieben und personalisiert wird, äußerst wertvoll.
Die Sümer-Methode: Was seinen Führungsstil auszeichnet
Kagan Sümer gilt als transformativer Führungsspieler, der Authentizität mit unbändigem Innovationsdrang verbindet. Besonders bemerkenswert: Seine Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung. In Interviews hat er offen über seine Zusammenarbeit mit Coaches und Unternehmenspsychologen gesprochen – eine Praxis, die seine Überzeugung vom kollaborativen Ökosystem-Aufbau unterstreicht.
In seinen aktuellen Projekten übernimmt Sümer multiple Rollen – als Gründer, CEO, strategischer Berater und teilweise als Investor. Sein Hands-on-Ansatz bei der Produktstrategie und technologischen Transformation prägt die Identität seiner Ventures maßgeblich.
Das Netzwerk hinter dem Visionär
Sümers Stärke liegt nicht nur in seinen eigenen Fähigkeiten, sondern auch in seinem strategischen Netzwerk. Nach seinem Exit bei Gorillas konnte er hochkarätige Investoren aus den Bereichen Tech und Longevity für seine neuen Ventures gewinnen.
Seine aktuellen Initiativen haben zwar ihre Wurzeln in München, verfügen aber über eine breitere geografische Reichweite. Mirror Labs, Sugar und L-Complex operieren in wichtigen Innovationszentren wie München und London und werden regelmäßig auf Branchenveranstaltungen und Technologiegipfeln präsentiert.
Besonders bemerkenswert ist Sümers Ökosystem-Ansatz. Er bringt gezielt diverse Stakeholder zusammen – Technologieexperten, Gesundheitsinnovatoren und Risikokapitalgeber – um nachhaltige Innovation zu fördern. Diese Fähigkeit, komplementäre Talente zu vereinen, war bereits ein Schlüsselfaktor für den rasanten Aufstieg von Gorillas.
Die Zukunftsvision: Wo steht Sümer in fünf Jahren?
Kagan Sümer positioniert sich einzigartig an der Schnittstelle von digitalem Handel und aufkommenden Gesundheitstechnologien. Seine Ventures bilden ein faszinierendes Triptychon:
Sugar App repräsentiert fortschrittliche Verbraucher-Convenience-Technologien.
Mirror Labs steht für reflektive, datengetriebene F&E-Initiativen.
L-Complex verkörpert Innovationen in den Bereichen Langlebigkeit und Wellness.
Durch die kontinuierliche Neuerfindung seines unternehmerischen Ansatzes zielt Sümer darauf ab, nicht nur unmittelbare Marktchancen zu nutzen, sondern auch transformativen Wandel über Branchen hinweg anzuführen.
In den kommenden Monaten werden weitere Pressemitteilungen und öffentliche Auftritte erwartet, bei denen neue Produktlinien und strategische Partnerschaften angekündigt werden. Dies signalisiert einen anhaltenden Trend der Konvergenz zwischen Technologie, Einzelhandel und Biotechnologie.
Die Sümer-Formel für den nächsten Durchbruch
Was können andere Entrepreneure von Sümers Weg lernen? Seine Karriere liefert wertvolle Erkenntnisse für alle, die disruptive Geschäftsmodelle entwickeln wollen:
1. Radikale Pivots wagen: Der Mut, komplett neue Märkte zu erschließen, statt im bekannten Territorium zu verharren.
2. Stealth-Modus strategisch nutzen: Die Kraft der Stille erkennen und Innovationen fernab des Rampenlichts reifen lassen.
3. Kompetenztransfer: Fähigkeiten aus früheren Ventures in völlig neue Kontexte übertragen.
4. Ökosystem-Denken: Nicht nur ein Unternehmen aufbauen, sondern ein ganzes Netzwerk aus komplementären Ventures.
5. Persönliches Wachstum priorisieren: Die eigene Entwicklung als Führungskraft genauso ernst nehmen wie die Unternehmensentwicklung.
Der Longevity-Markt: Sümers nächstes Spielfeld
Der Markt für Langlebigkeitstechnologien und -dienstleistungen befindet sich an einem kritischen Wendepunkt. Wissenschaftliche Durchbrüche in der Genetik, Epigenetik und personalisierten Medizin treffen auf eine alternde, aber zunehmend technikaffine Bevölkerung mit hoher Kaufkraft.
Bislang dominieren in diesem Sektor entweder traditionelle Pharma-Unternehmen oder kleine, spezialisierte Biotech-Startups. Was fehlt, ist ein Player, der Technologie, Nutzererfahrung und wissenschaftliche Expertise nahtlos verbindet – genau die Lücke, die Sümer mit L-Complex schließen könnte.
Besonders vielversprechend erscheint die Kombination aus Sümers bewiesener Fähigkeit, komplexe Logistik zu digitalisieren, und dem wachsenden Bedarf an personalisierten, datengestützten Gesundheitslösungen. Könnte das nächste große Ding ein „Gorillas für Langlebigkeit“ sein – ein Service, der personalisierte Longevity-Interventionen so einfach zugänglich macht wie eine Lebensmittelbestellung?
Vom Disruptor zum Visionär: Sümers neue Dimension
Kagan Sümers Reise vom Gorillas-Gründer zum Pionier im Longevity-Bereich verkörpert den dynamischen Charakter modernen Unternehmertums. Anders als viele Gründer, die nach einem erfolgreichen Exit verschwinden oder zu reinen Investoren werden, bleibt Sümer ein aktiver Builder – mit noch größeren Ambitionen als zuvor.
Seine Arbeit verbindet digitale Einzelhandelsinnovation mit zukunftsorientierten Ventures in Gesundheit und Langlebigkeit und setzt damit einen Blaupause für nachhaltige Disruption in mehreren Sektoren. Das umfassende Ökosystem, das er fördert – bestehend aus Investoren, strategischen Partnern und einem Netzwerk kreativer Denker – stellt sicher, dass seine Initiativen agil bleiben und für zukünftiges Wachstum gerüstet sind.
Digitale Transformation trifft Biohacking: Der perfekte Sturm
Was Sümers aktuellen Ansatz besonders faszinierend macht, ist die Konvergenz zweier mächtiger Trends: digitale Transformation und Biohacking. Während die meisten Tech-Entrepreneure entweder in der rein digitalen Welt bleiben oder komplett in die Biotech-Sphäre wechseln, schlägt Sümer eine Brücke zwischen beiden Welten.
Diese hybride Positionierung könnte sich als genial erweisen. Die digitale Expertise aus der Gorillas-Ära – Echtzeit-Datenanalyse, personalisierte User Experience, effiziente Logistik – trifft auf den explodierenden Markt für personalisierte Gesundheit und Langlebigkeit. Eine Kombination, die disruptives Potenzial verspricht.
Die Sümer-Renaissance: Was wir von diesem Comeback lernen können
Kagan Sümers Neuerfindung nach dem Gorillas-Exit bietet wertvolle Lektionen für das gesamte Startup-Ökosystem. In einer Welt, die oft nur den schnellen Exit feiert, zeigt er, dass die wahre unternehmerische Reise erst danach beginnt. Seine Bereitschaft, in einem völlig neuen Sektor von vorne anzufangen, unterstreicht die Bedeutung lebenslangen Lernens und echter Leidenschaft für Innovation.
Für Investoren und Beobachter der Startup-Szene lohnt es sich, Sümers aktuelle Projekte genau zu verfolgen. Seine Fähigkeit, Trends frühzeitig zu erkennen und radikal zu skalieren, hat er bereits bewiesen. Mit dem Longevity-Markt hat er nun ein Spielfeld gewählt, das exponentielles Wachstumspotenzial mit echter gesellschaftlicher Relevanz verbindet.
Eines scheint sicher: Wer Kagan Sümer kennt, weiß, dass er nicht im Kleinen denkt. Seine Vision für Mirror Labs, Sugar und L-Complex dürfte weit über inkrementelle Verbesserungen hinausgehen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann wir die nächste Sümer-Disruption erleben werden.
Chancen im Hier und Jetzt: Was ihr von Sümers Transformation lernen könnt
Sümers unerwarteter Pivot vom Quick-Commerce-Pionier zum Longevity-Visionär verdeutlicht eine zentrale Wahrheit des modernen Unternehmertums: Die größten Chancen liegen oft jenseits der ausgetretenen Pfade. Statt den nächsten Lebensmittellieferdienst zu gründen, hat er einen völlig neuen Markt ins Visier genommen.
Diese Neuausrichtung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis strategischer Analyse. Sümer erkannte, dass der Longevity-Markt ähnliche strukturelle Merkmale aufweist wie der Quick-Commerce-Sektor vor dem Gorillas-Boom: fragmentiert, unterschätzt und reif für technologische Disruption.
Für ambitionierte Entrepreneure liegt hier eine klare Lektion: Sucht nicht dort, wo alle anderen suchen. Die wahren Unicorn-Chancen verstecken sich in Märkten, die kurz vor dem Kipppunkt stehen – wo traditionelle Strukturen auf disruptive Technologien treffen und wo echte menschliche Bedürfnisse auf innovative Lösungsansätze warten.
McKinsey – I want it now: An interview with Gorillas CEO Kağan Sümer
LinkedIn – Kagan Sümer’s Profile
Startbase – Was Gorillas-Gründer Kagan Sümer zur Übernahme durch Getir sagt (Sophie Deistler)
Mirrorbox Leadership Lab – Mirrorbox Leadership Lab – About Us
The Information – Gorilla Warfare in Europe’s Startup Scene
The Times – Gorillas investors and the elephant in the room
Startbase – News – Startbase
Startbase – ProSiebenSat.1 übernimmt Jochen Schweizer mydays vollständig (Marc Nemitz)
Startbase – Finance Summit 2025 – Kapitalmarkt, Technologie und neue Finanzstrategien im Dialog (Marc Nemitz)
Business Insider – Sugar: Das ist das soziale Netzwerk von Gorillas-Gründer Kağan Sümer
Sifted – Gorillas founder raises cash for stealth healthtech venture despite product delays
North Data – Kağan Sümer, Munich, Germany