- Der Dow Jones erreicht ein neues Allzeithoch, angetrieben von Finanzwerten und Energieaktien
- Nach einem US-Militärschlag in Venezuela steigen Ölkonzerne wie Chevron um fast 6 Prozent
- Großbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase verzeichnen Rekordstände
Die Wall Street zeigt sich am Montag in Kauflaune. Der Dow Jones klettert auf ein neues Rekordhoch, während der S&P 500 und die Nasdaq ebenfalls deutlich zulegen. Besonders Energiewerte und Finanzaktien treiben die Märkte nach oben. Der Grund: Ein militärischer Vorstoß der USA in Venezuela sorgt für Spekulationen über künftigen Zugang zu den weltweit größten Ölreserven.
Energiesektor profitiert von Venezuela-Entwicklung
Die Aussicht auf mögliche Geschäftschancen in Venezuela treibt Ölkonzerne kräftig an. Chevron legt um beachtliche 5,8 Prozent zu, Exxon Mobil steigt um 2,4 Prozent. Der S&P 500 Energie-Index erreicht den höchsten Stand seit März 2025 und notiert mit einem Plus von 2,5 Prozent. Investoren setzen darauf, dass US-Unternehmen künftig verstärkt in Venezuela investieren könnten.
Rob Haworth, Senior Investment Strategist bei U.S. Bank Wealth Management in Seattle, ordnet die Entwicklung ein: „Energieaktien profitieren von der Erwartung, dass Präsident Trump beabsichtigt, sie für mehr Investitionen nach Venezuela zu schicken und letztlich mehr Geld zu verdienen.“ Das US-Embargo gegen venezolanisches Öl bleibt allerdings vorerst bestehen, wie Präsident Trump betont.
Die Tatsache, dass kein dauerhafter militärischer Einsatz geplant ist, beruhigt die Märkte zusätzlich. „Die breiteren Aktienmärkte können Befürchtungen über ein längeres militärisches Engagement beiseitelegen“, so Haworth weiter. Diese Einschätzung zeigt sich in der positiven Gesamtstimmung an den Börsen.
Rüstungskonzerne und Finanzwerte im Aufwind
Neben Energiewerten ziehen auch Rüstungsaktien an. Lockheed Martin gewinnt 2,8 Prozent, General Dynamics klettert um 3,2 Prozent. Der S&P 500 Aerospace and Defense Index erreicht einen neuen Höchststand mit einem Anstieg von 1,8 Prozent. Die militärische Aktion in Venezuela löst offenbar auch Erwartungen über mögliche Rüstungsaufträge aus.
Besonders stark präsentieren sich die Finanzwerte. Goldman Sachs schießt um 4,8 Prozent nach oben und markiert ein Allzeithoch. JPMorgan Chase legt 3,4 Prozent zu und erreicht ebenfalls einen Rekordstand. Der S&P 500 Finanzindex steigt insgesamt um 2,7 Prozent. Analysten erwarten für die Finanzunternehmen im S&P 500 ein Gewinnwachstum von durchschnittlich 6,7 Prozent im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr.
Steve Sosnick, Chief Market Analyst bei Interactive Brokers, beobachtet eine Verschiebung der Anlegergunst: „Die Stimmung bevorzugt in den letzten Tagen Finanzaktien. Wenn Leute über Tech hinausschauen, ist dies ein Sektor, zu dem sich viele hinwenden.“ Diese Rotation deutet auf eine breitere Marktbewegung hin, nachdem Technologiewerte lange Zeit die Rallye dominiert hatten.
Tech-Aktien zeigen gemischtes Bild
Tesla beendet eine siebentägige Verlustserie mit einem Kurssprung von 4,2 Prozent. Die Aktie des Elektroautobauers hatte zuvor deutlich unter Druck gestanden. Nvidia gibt hingegen leicht um 0,6 Prozent nach. Insgesamt steigt die Nasdaq um 0,76 Prozent auf 23.411,49 Punkte.
Kryptowährungsaktien verzeichnen ebenfalls Zugewinne, nachdem Bitcoin ein Dreiwochenhoch erreicht. Strategy, ehemals MicroStrategy, klettert um 4,6 Prozent. Coinbase legt kräftig um 8,6 Prozent zu, nachdem Goldman Sachs die Aktie von „neutral“ auf „buy“ hochgestuft hat. Die positive Entwicklung bei digitalen Assets strahlt auf die damit verbundenen Unternehmen aus.
Marktbreite und wirtschaftliche Rahmendaten
Die Marktbreite fällt positiv aus. Innerhalb des S&P 500 übertreffen steigende Aktien die fallenden im Verhältnis 2,4 zu eins. Der Index verzeichnet 58 neue Hochs und nur 10 neue Tiefs. Die Nasdaq registriert 103 neue Hochs gegenüber 45 neuen Tiefs. Diese Zahlen sprechen für eine breite Aufwärtsbewegung über verschiedene Sektoren hinweg.
Wirtschaftsdaten zeigen allerdings Schwächen in der Produktion. Die US-Fertigung schrumpfte im Dezember stärker als erwartet und setzt damit einen zehnmonatigen Abwärtstrend fort. Trotzdem bleiben die Märkte optimistisch. Der Fokus richtet sich nun auf die Arbeitsmarktdaten am Freitag, die Hinweise auf die künftige Geldpolitik der Federal Reserve geben könnten.
Die Märkte kalkulieren für das laufende Jahr etwa 60 Basispunkte an Zinssenkungen ein. Die Wall Street hatte 2025 das dritte Jahr in Folge mit zweistelligen Gewinnen abgeschlossen – eine Serie, die zuletzt 2021 zu beobachten war. Der Dow Jones schließt mit einem Plus von 1,64 Prozent bei 49.174,91 Punkten, der S&P 500 gewinnt 0,76 Prozent auf 6.910,73 Punkte.
Chancen in bewegten Zeiten
Die aktuellen Marktbewegungen zeigen, wie schnell sich die Stimmung an den Börsen drehen kann. Während geopolitische Entwicklungen normalerweise für Unsicherheit sorgen, interpretieren Investoren die Venezuela-Situation als potenzielle Geschäftschance für US-Unternehmen. Die Rotation von Tech-Werten in traditionelle Sektoren wie Energie und Finanzen deutet auf eine gesündere Marktbreite hin.
Für euch als Investoren bedeutet das: Diversifikation zahlt sich aus. Die starke Performance von Finanzwerten und Energieaktien zeigt, dass Chancen auch außerhalb der viel beachteten Tech-Giganten bestehen. Die bevorstehenden Quartalszahlen der Banken werden zeigen, ob die optimistischen Erwartungen gerechtfertigt sind. Behaltet dabei die makroökonomischen Indikatoren im Auge – die schwächelnde Produktion könnte mittelfristig die Gewinnerwartungen dämpfen.
reuters.com – Dow hits record, energy stocks surge after US strikes Venezuela (Noel Randewich, Purvi Agarwal)
Manager Magazin – Dax und Dow auf Rekordhoch
boerse.de – Aktien New York: Dow auf Rekordhoch – Venezuela-Fantasie treibt Ölaktien
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