- Retail Media generiert Gewinnspannen bis zu 50 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie klassische Produktmargen
- Der europäische Retail-Media-Markt wächst bis 2026 auf 25 Milliarden Euro und überholt damit viele traditionelle Einnahmequellen
- Digital Out-of-Home und KI-gestützte Automatisierung verändern die Wertschöpfung im stationären Handel grundlegend
Deutsche Supermärkte stehen vor einem Paradigmenwechsel: Werbeflächen entwickeln sich zur profitabelsten Einnahmequelle – noch vor dem klassischen Warenverkauf. Was nach Zukunftsmusik klingt, wird 2026 zur messbaren Realität. Während Produktmargen durch Wettbewerbsdruck stagnieren, eröffnen Retail Media und intelligente Automatisierung neue Dimensionen der Profitabilität. Für euch als Entscheider bedeutet das: Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, sichert sich Wettbewerbsvorteile für die nächsten Jahre.
Werbeflächen als neues Gold im Einzelhandel
Retail Media erreicht 2026 in Europa einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als einer Verdoppelung gegenüber den 10 Milliarden Euro aus 2022, wie Daten von IAB Europe zeigen. Stefan Binkowski, Vice President Retail & Wholesale Advisory bei SAP Deutschland, sieht darin einen strukturellen Wandel der Branche.
Die Gewinnspannen im Werbebereich liegen bei bis zu 50 Prozent – ein Vielfaches dessen, was mit klassischen Produktverkäufen zu erzielen ist. Supermärkte verkaufen Werbeflächen auf ihren eigenen Kanälen: Websites, Apps und zunehmend auch physische Geschäftsflächen. Der Clou dabei ist die Nutzung eigener Kundendaten für präzise Segmentierung. Werbekunden zahlen für den direkten Zugang zu kaufbereiten Zielgruppen – genau dort, wo Kaufentscheidungen fallen.
Vorreiter zeigen, wie es funktioniert
Rewe, Lidl, Obi, dm und Douglas haben Retail Media bereits erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle integriert. Diese Händler nutzen ihre digitalen Plattformen systematisch zur Monetarisierung von Werbeflächen. Marlene Lohmann, Leiterin des Fachbereichs Marketing beim EHI Retail Institute, betont allerdings: „Viele andere Einzelhändler haben noch Nachholbedarf. Die Branche befindet sich in einer frühen Phase, was bedeutet: Wer jetzt einsteigt, kann noch Pioniervorteile nutzen.“
Der Fokus verschiebt sich 2026 von reiner Expansion hin zu Vernetzung und Koordination verschiedener Kanäle. Such-, Social-, Retail- und Video-Signale werden mit KI zu einheitlichen Verbraucherbildern zusammengeführt. Nich Weinheimer, Chief Strategy Officer bei Skai, spricht von programmatischem Commerce-Media als nächster Evolutionsstufe. „Programmatischer Commerce-Media ist die nächste Stufe: Inkrementalität-Messung wird zum Standard in Retail.“
Digital Out-of-Home erobert den stationären Handel
Im stationären Handel zeichnet sich 2026 ein regelrechter Boom bei Digital Out-of-Home ab. Supermärkte, Elektromärkte und Drogerien teilen ihre Verkaufsflächen in Werbezonen mit digitalen Displays auf. Das Ziel: Werbekunden direkt in die Online-Shops der Hersteller zu leiten und gleichzeitig die Aufmerksamkeit am Point-of-Sale zu maximieren.
Der Mittelstand zeigt starkes Interesse: 70-80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen mit konstantem Out-of-Home-Budget planen 2026 die Nutzung von DOOH. Thomas Masek, Co-CEO der crossvertise GmbH, sieht großes Potenzial für Retail Media in diesem Segment: „DOOH im Retail hat enormes Potenzial für Mittelstand – die Screen-Infrastruktur ist die größte Hürde, aber Standardisierung löst das.“ Die größte Hürde bleibt die Screen-Infrastruktur außerhalb der Ballungszentren. Hier besteht noch Ausbaubedarf, bevor das volle Potenzial ausgeschöpft werden kann.
Standardisierung als Erfolgsfaktor
Die Branche fordert einheitliche Standards für Screens, Positionierung und Formate. Edeka Nord und Süd, Rewe, Kaufland und Lidl arbeiten an gemeinsamen Spezifikationen, um Planbarkeit für Werbekunden zu schaffen. Ohne diese Standardisierung bleibt Retail Media ein Flickenteppich unterschiedlicher Lösungen, der die Skalierung behindert.
Retail Media entwickelt sich zum strategischen Asset. Die Kombination aus DOOH-Boom, KI-gestützter Content-Automation und Predictive Maintenance schafft neue Geschäftsmodelle. Managed Services übernehmen die technische Komplexität und ermöglichen auch kleineren Händlern den Einstieg. Der LZ Retail Media Day am 1. September 2026 in Köln wird Praxisbeispiele und Expertenwissen bündeln – ein Pflichttermin für alle, die in diesem Bereich aktiv werden wollen.
Automatisierung steigert Effizienz und Kundenerlebnis
Parallel zu Retail Media definieren Automatisierung und KI die Produktivität im Einzelhandel neu. Die Technologien optimieren Betriebsabläufe und verbessern das Kundenerlebnis gleichzeitig. Rewe eröffnete Ende 2022 mit dem Start-up Trigo das erste vollständig automatisierte Geschäft in München. Kunden können Produkte einfach mitnehmen, die Abrechnung erfolgt automatisch über die App.
Click-and-Collect führt die Omnichannel-Transformation an. Aldi, Lidl und Rewe bauen ihre Abholstationen massiv aus. Die Kombination aus Online-Bestellung und stationärer Abholung verbindet die Vorteile beider Welten: Bequemlichkeit für Kunden, Frequenz für Geschäfte. Digitale Rabattprogramme und personalisierte Angebote binden Kunden gegen die Online-Konkurrenz.
Logistik der Zukunft erreicht die letzte Meile
Die Logistiktrends für die letzte Meile zeigen, wohin die Reise geht: Zustell-Drohnen, semi-autonome Lieferfahrzeuge und Wasserstoff-Antriebe kombinieren Schnelligkeit mit Nachhaltigkeit. Diese Technologien sind 2026 keine Science-Fiction mehr, sondern werden in Pilotprojekten erprobt und schrittweise ausgerollt.
Die SAP Business Data Cloud konsolidiert Daten zu Kundenverhalten und Abverkäufen. Diese Datenbasis ermöglicht nicht nur Retail Media, sondern auch präzisere Bestandsplanung und effizientere Logistik. Händler, die ihre Dateninfrastruktur jetzt aufbauen, schaffen die Grundlage für alle weiteren Innovationen.
Eigenmarken und Nachhaltigkeit als Differenzierungsmerkmale
Eigenmarken entwickeln sich zu Referenzmarken durch Digitalisierung, Nachhaltigkeit und datengestützte Kundenbindung. Sie bieten höhere Margen als Herstellermarken und stärken die Kundenbindung. Nachhaltigkeit wird dabei zum Pflichtprogramm: Höhere Tierhaltungsstandards, EU-Verpackungsvorgaben mit weniger Luftverpackungen und mehr Mehrweg, sowie die Haltungsform-Kennzeichnung für Schweinefleisch ab März 2026 verändern die Sortimente.
Produkttrends 2026 zeigen sich bei funktionalen Getränken, proteinreichen Snacks und internationalen Spezialitäten. Edeka, Rewe und Kaufland erweitern ihre Listungen in diesen Kategorien. Herzhafte Kassen-Snacks wie BiFi, Aoste-Sticks und Beef Jerky, Proteinriegel von ESN oder Koro sowie Nüsse von Seeberger und Meray profitieren von diesem Trend. Fermentiertes Essen, Next-Level-Meat, bewusstes Naschen und New Dairy – also Milchalternativen – prägen die Food-Trends des Jahres.
Was das für eure Strategie bedeutet
Der deutsche Einzelhandel befindet sich in einer Transformationsphase, die Chancen und Risiken birgt. Retail Media eröffnet neue Einnahmequellen mit überdurchschnittlichen Margen. Automatisierung und KI steigern die Effizienz und verbessern das Kundenerlebnis. Wer beides kombiniert, schafft Wettbewerbsvorteile, die schwer zu kopieren sind.
Die Investitionen in Technologie und Infrastruktur zahlen sich mittelfristig aus. Standardisierung beschleunigt die Skalierung und senkt die Komplexität. Partnerschaften mit Technologieanbietern und Start-ups ermöglichen schnellere Umsetzung als Eigenentwicklungen. Der Mittelstand kann durch Managed Services und geteilte Infrastruktur von den Entwicklungen profitieren, ohne alle Investitionen allein stemmen zu müssen.
Qualität, Transparenz und Innovation bestimmen die Sortimentsentscheidungen. Kunden erwarten nachhaltige Produkte, bequeme Services und personalisierte Angebote. Händler, die diese Erwartungen erfüllen und gleichzeitig ihre Werbeflächen monetarisieren, schaffen ein Geschäftsmodell mit mehreren Ertragsströmen. Das reduziert die Abhängigkeit von Produktmargen und erhöht die Krisenresilienz.
Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Die Vorreiter haben ihre Positionen bezogen, aber der Markt ist noch nicht verteilt. Retail Media und Automatisierung sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern konkrete Werkzeuge für profitables Wachstum. Nutzt die verfügbaren Technologien, lernt von den Best Practices und adaptiert sie für eure spezifischen Anforderungen. Der Einzelhandel 2026 gehört denen, die heute die Weichen stellen.
kaizen.com – Supermarkttrends in Deutschland im Jahr 2026
skai.io – Retail Media im Jahr 2026: Was Skai von Skai denken (Nich Weinheimer)
web.de – Aldi, Lidl, Rewe: Das ändert sich 2026 beim Einkaufen
ibusiness.de – Interaktiv-Trends 2026/2027: Retail Media – DooH stürmt den Einzelhandel
news.sap.com – Wie Retail Media die Handelskassen zum Klingeln bringt (Stefan Binkowski, Marlene Lohmann)
lekkerland.de – Food-Trends 2026: Snackformate bleiben Top
idooh.media – Mittelstand setzt 2026 verstärkt auf DOOH – Retail Media mit großem Potenzial (Thomas Masek)
meedia.de – Nur mit dem richtigen Schliff wird Retail Media zum Juwel
kaufda.de – Das sind die Foodtrends 2026: Bewusst essen, ohne Verzicht
euroshop.de – Logistiktrends 2026 für die letzte Meile im Einzelhandel
invidis.de – Retail Media, DooH und AI sorgen für Wachstum
dfvcg-events.de – LZ Retail Media Day | 1.September 2026 | Köln